Vor einem Jahr habe ich mein Team aufgelöst. Es war die beste Entscheidung.

Vor einem Jahr habe ich mich entschieden, wieder solo zu arbeiten. Von außen sah das für manche nach einem Rückschritt aus. Für mich war es das Gegenteil: eine bewusste Entscheidung für die Art, wie ich arbeiten möchte.

Heute kombiniere ich meine 30 Jahre Erfahrung mit einem Netzwerk aus freien Expertinnen und Experten. Je nach Projekt hole ich genau die Menschen dazu, die meine Kundinnen und Kunden wirklich weiterbringen. Allein – aber nicht auf mich allein gestellt.

Wie es dazu kam

Während und nach Corona bin ich gewachsen: mehr Kunden, mehr Verantwortung, ein eigenes Team. Wir waren drei Festangestellte, eine Jahrespraktikantin und ein Kollege im Vertrieb, dazu bei Bedarf freiberufliche Unterstützung.

Eigentlich sollte sich die Verantwortung damit auf mehrere Schultern verteilen. In der Realität landete sie am Ende doch wieder bei mir.

Ich war verantwortlich für mein Team. Für meine Kunden. Für die Finanzen.

Und gleichzeitig wollte ich das tun, was ich am besten kann: Menschen beraten, Strategien entwickeln und kreative Lösungen finden. Genau dafür blieb immer weniger Zeit.

Was in der Praxis schwierig war

In der Theorie klingt ein Team nach Entlastung. In der Praxis sah es bei uns anders aus.

Die Einarbeitung dauerte lang – unsere Arbeit ist technisch anspruchsvoll, und Programme und Tools ändern sich ständig. Kaum war ein Ablauf eingespielt, war er schon wieder überholt.

Dazu kamen die Schwankungen: Phasen mit Arbeitsspitzen und hoher Belastung wechselten sich ab mit Zeiten, in denen weniger Aufträge da waren. Immer wieder musste ich mein Team um Verständnis bitten, die Arbeitszeiten daran anzupassen.

Der Wendepunkt kam, als ich selbst krank wurde – und trotzdem unabkömmlich war. Ich gab so viel Verständnis und Rücksicht in alle Richtungen, aber für mich selbst gab es keinen Ersatz. Da wurde mir klar: So geht es nicht weiter.

Vielleicht hätte es mit mehr Einarbeitungszeit funktioniert. Mit anderen Mitarbeitenden. Mit einer anderen Organisation. Aber dafür waren wir schlicht zu wenige. In einem so kleinen Team muss sich jeder auf jeden verlassen können – und wenn das nicht trägt, trägt am Ende eine Person alles.

Weniger Umsatz. Mehr Zufriedenheit.

Ja, heute mache ich weniger Umsatz als damals. Aber ich habe auch deutlich geringere Fixkosten, weniger Verpflichtungen und viel mehr Freiraum.

Ich nehme weniger Projekte gleichzeitig an. Dafür kann ich meinen Kundinnen und Kunden wieder die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen: Zeit für strategische Gespräche, Raum, um Ideen zu entwickeln, statt nur Aufgaben abzuarbeiten.

Und genau das macht mir wieder richtig Freude.

Meine Angst war unbegründet

2024 und Anfang 2025 ging es mir nicht gut. Es war einfach zu viel. Ich stand permanent unter Strom – nicht, weil mir meine Arbeit keinen Spaß gemacht hätte, sondern weil alles gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangte.

Trotzdem hatte ich Angst vor dem Schritt zurück in die Soloselbstständigkeit. Angst davor, dass ich alleine noch mehr arbeiten müsste als vorher.

Das Gegenteil ist passiert.

Ein Grund dafür: Ich arbeite heute anders als noch vor wenigen Jahren. KI unterstützt mich bei vielen Aufgaben – bei Recherche, Formulierungen, Zusammenfassungen und Routinearbeiten. Vieles, wofür ich früher Hände gebraucht hätte, erledige ich heute schneller und leichter.

Aber KI ersetzt weder meine Kreativität noch meine Erfahrung noch meine Empathie. Sie verschafft mir Zeit für das, was meine Kundinnen und Kunden wirklich brauchen: Zuhören. Mitdenken. Strategien entwickeln. Zusammenhänge erkennen. Neue Möglichkeiten entdecken.

Genau dafür werde ich gebucht.

Erfolg sieht für jeden anders aus

2023 und 2024 waren für mich zwei Jahre voller teurer Erkenntnisse. Manche Lektionen hätte ich lieber nicht am eigenen Leib gelernt.

Eine davon war ganz wörtlich teuer: Ich habe mehrere tausend Euro in Google-Anzeigen, Instagram und LinkedIn gesteckt. Das Ergebnis war ernüchternd. Viel Arbeit für Planung, Kreativität, Aufsetzen und Umsetzung der Kampagnen – und am Ende zu wenige neue Kunden. Der ROI stimmte für mich einfach nicht.

Aber heute kenne ich meine Grenzen – und ich weiß ganz genau, wie ich arbeiten möchte.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt: Wachstum bedeutet nicht automatisch Zufriedenheit.

Auch wenn uns Social Media oft etwas anderes erzählt. Dort scheint der Weg immer derselbe zu sein: mehr Umsatz, mehr Mitarbeitende, mehr Freiheit. Dazwischen immer dieselben Versprechen:

„Endlich 10.000 Euro im Monat.“ „Nur dieses eine Tool.“ „Vor drei Jahren konnte ich kaum meine Miete bezahlen – heute mache ich sechsstellige Umsätze.“

Natürlich gibt es Menschen, bei denen das funktioniert. Und das ist auch völlig in Ordnung.

Was mich stört, ist etwas anderes: Es entsteht schnell der Eindruck, dies wäre der einzige richtige Weg. Dass jedes Unternehmen wachsen muss. Immer mehr Umsatz. Immer größer.

Ich glaube das nicht mehr.

Ich habe meine Route gefunden

Ich habe mich fast auf diesem Weg verloren. Nicht, weil Wachstum falsch ist – sondern weil ich dachte, ich müsste genau diesen Weg gehen.

Heute weiß ich: Meine Definition von Erfolg ist eine andere.

Ich möchte Zeit für meine Kunden haben. Ich möchte beraten statt verwalten. Ich möchte kreative Ideen entwickeln. Ich möchte abends den Rechner ausschalten und zufrieden sein.

Nicht erschöpft. Nicht ausgebrannt. Einfach zufrieden.

Vielleicht ist mein Unternehmen heute kleiner. Aber es passt endlich wieder zu mir. Und genau deshalb fühlt es sich erfolgreicher an als je zuvor.

Mein Wunsch für dich

Wenn du selbstständig bist, dann lass dir von niemandem erzählen, wie Erfolg auszusehen hat.

Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt deinen Weg.

Finde heraus, wie du arbeiten möchtest. Welche Kunden zu dir passen. Wie viel Verantwortung du tragen möchtest. Wie dein Leben aussehen soll.

Denn am Ende ist Erfolg nicht das, was andere auf Social Media zeigen. Erfolg ist das, was sich für dich richtig anfühlt.

Ich kenne heute meine Route. Und ich wünsche dir, dass du deine findest – und den Mut hast, ihr treu zu bleiben.

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